aps-Magazin 4/2017

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Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen

Aus dem Artikel „Fürs Fach brennen“ von Robert Buchacher, „profil“ vom 4. 9. 2017, Seiten 60 und 62: Die Regierung glaubt, sie bereits gezogen zu haben. Im vergangenen Sommersemester ist das alte dreijährige Studium für Pflichtschullehrer ausgelaufen. International gesehen war das eine vergleichsweise magere Qualifikation. Ab sofort muss man ein sechsjähriges Masterstudium mit viel mehr didaktischer Praxis als bisher absolvieren, um Lehrer werden zu können. Bildungsforscher sagen: ein richtiger, aber nur ein halber Schritt.

Denn während immer mehr Studienrichtungen und jede Fachhochschule in der Provinz Aufnahmeprüfungen verlangen, wird in Österreich jeder ohne Prüfung zum Lehramtsstudium zugelassen. Niemand prüft, ob die Persönlichkeit der Kandidaten stabil genug für den Unterricht von Kindern ist.

Nun droht ein akuter Lehrermangel. Laut Berechnungen der Lehrergewerkschaft wird in den kommenden zehn Jahren fast die Hälfte der Lehrer in Pension gehen. Je weniger Lehrer aber auf dem Arbeitsmarkt sind, desto größer ist die Gefahr, dass die Qualifikation sinkt, weil man gezwungen sein wird, alle irgendwie Verfügbaren zu nehmen, auch die noch nicht fertig Ausgebildeten.

Wie die SP Ö-Bildungsministerin Sonja Hammerschmid unter diesen Prämissen ihr Ziel erreichen will, „Österreich bis zum Jahr 2025 unter die zehn besten Länder der Welt“ (siehe Interview Seite 63) zu bringen, ist schleierhaft.

Das ist einer von vielen Aspekten (wenn ich auch nicht mit allen Aussagen des Artikels kritiklos einverstanden bin), der mir für die Zukunft vor allem deswegen Sorgen bereitet, weil dadurch die Belastung der im Dienst befindlichen Kolleginnen und Kollegen weiter steigen wird.

Ich wünsche Ihnen trotz der nicht wirklich rosigen Zukunftsaussichten ein erfolgreiches Schuljahr 2017/18!

Martin Höflehner