Deutschförderklassen - STELLUNGNAHME ...

zum Bundesgesetz, mit dem das Schulorganisationsgesetz,das Schulunterrichtsgesetz und das Schulpflichtgesetz 1985 geändert werden.

Präambel

Der aktuelle § 8e, Absatz 4, letzter Satz SchOG fordert für die 2016/17 gestarteten Sprachfördermaßnahmen „Sprachstartgruppen und Sprachförderkurse“ eine Evaluierung bis Ende Jänner 2019.

"Eine umfassende Evaluierung insbesondere der Wirkungen der Sprachförderungsmaßnahmen sowie der Effizienz des damit zusammenhängenden Ressourceneinsatzes hat bis 31. Jänner 2019 zu erfolgen."

Wir bedauern, dass das BMBWF entgegengesetzt dieser Bestimmung eine erneute Reform der Sprachfördermaßnahmen gesetzlich fixieren möchte, ohne die Erfahrungswerte der Expertinnen und Experten an den Schulen mit den gegenwärtigen Sprachfördermaßnahmen evaluiert zu haben. Es wird dadurch auch die Autonomie an den Schulstandorten unterbunden. Als generelle Kritikpunkte an der geplanten Neuorganisation der Sprachfördermaßnahmen sind anzuführen:

  • Die in Aussicht gestellte Regelung, Kinder ab dem ersten Schultag Deutschförderklassen zuzuteilen, kann einen Bildungslaufbahnverlust von ein bis zwei Jahren zur Folge haben. Die Erfahrung zeigt, dass klassenführende Lehrkräfte große Anstrengungen zu leisten haben, damit bis zu zwei Jahre ältere Schülerinnen und Schüler in einem Regelklassenverband integriert werden können.
  • Ob anstelle der bisherigen Förderung in Kleingruppen ein Unterricht in Klassengröße treten wird, ist aus dem Entwurf nicht zu entnehmen.
  • Für Kinder mit vorhandenen, aber verbesserungswürdigen Deutschkenntnissen gibt es einen Qualitätsverlust, wenn der Sprachförderkurs anstelle von bisher elf Stunden dann nur mehr sechs Stunden umfassen wird.
  • Die geplante Systemumstellung sieht vor, dass zu Schuleintritt und für den Austritt aus den Deutschförderklassen (alle sechs Monate) Testungen stattfinden sollen. Insbesondere in den Volksschulen ist eine weitere Belastungssituation für Kinder und Lehrpersonen zu erwarten.
  • Schulpartnerschaftliche und dienstrechtliche Aspekte bezüglich der Deutschförderklassen werden vom Entwurf nicht umfasst.
  • Der Entwurf gibt keinen Einblick, welches Lehrpersonal mit welcher Ausbildung in Deutschförderklassen eingesetzt werden soll.
  • Die Gewerkschaft der Pflichtschullehrerinnen und Pflichtschullehrer verlangt eine nachhaltige finanzielle Absicherung der geplanten Fördermaßnahmen.
  • Auch die Herausforderung für die Schulerhalter, die notwendigen Räume zur Verfügung stellen zu können, bleibt vom Entwurf unbeantwortet.
  • Da personelle, infrastrukturelle und ressourcenmäßige Details nicht geklärt sind, ist ein Start mit dem Schuljahr 2018/19 aus unserer Sicht als höchst problematisch anzusehen.

Zu den einzelnen Paragraphen des Gesetzentwurfs im Detail:

Schulorganisationsgesetz

§ 6

Warum können nicht generell die §§ 6 Abs. 1 und 8h erst ab dem Schuljahr 2019/20 verbindlich zur Anwendung kommen? Im Schuljahr 2018/19 soll weiterhin gemäß § 8e Abs. 4 in Sprachstartgruppen und Sprachförderkursen unterrichtet werden, damit bis zum Schuljahr 2019/20 ein kontinuierlicher Übergang zur Führung von Deutschförderklassen und Deutschförderkursen gewährleistet werden kann.

§ 131 Abs. 38

Die parallele Führung der §§ 8e Abs. 4 und 8h Abs. 2 und 3 tragen bei den Schulleitern und Schulleiterinnen zur Verwirrung bei! Der § 131 Abs. 38 Zi. 3 soll ersatzlos gestrichen werden! Deutschförderklassen und Deutschförderkurse und die dafür benötigten Deutschförderpläne sollen frühestens ab dem Schuljahr 2019/20 in Kraft treten, um die oben geäußerten Belastungssituationen für die Standorte zu minimieren!

§ 8h Abs. 1

Die Festlegung, dass Deutschförderklassen jedenfalls ab einer Schülerzahl von sechs Schülern und Schülerinnen einzurichten sind, bedeutet eine Verbesserung zur bisher gültigen Regelung des § 8e Abs. 5 (Sprachstartgruppen). Es fehlt aber eine gesetzlich fixierte Höchstzahl in solchen Deutschförderklassen und eine gesetzlich fixierte Teilungszahl bei Deutschförderkursen. Die Gewerkschaft Pflichtschullehrerinnen und Pflichtschullehrer fordert daher eine gesetzlich fixierte Klassenschülerhöchstzahl für Deutschförderklassen und eine gesetzlich fixierte Gruppengröße bei Deutschförderkursen, die keinesfalls die bisherigen Gruppengröße übersteigen darf!

Bei der integrativen Führung nach dem Deutschförderplan von weniger als sechs Schülern und Schülerinnen am jeweiligen Standort, wobei jedoch sechs Stunden parallel zum Unterricht zur Anwendung kommen sollen, bedarf es zusätzlicher Ressourcen, damit der Deutschförderplan dementsprechend umgesetzt werden kann oder einer Herabsetzung der Klassenschülerzahl im aliquoten Ausmaß.

§ 8h Abs. 3

Die Schüler/-innenzahl sechs, die bei der Einrichtung einer Deutschförderklasse herangezogen wird, soll auch bei der Einrichtung von Deutschförderkursen herangezogen werden. Bei der integrativen Führung nach dem Deutschförderplan bedarf es zusätzlicher Ressourcen, damit dieser dementsprechend umgesetzt werden kann. Die in den Erläuterungen genannten Bestimmungen bedürfen einer genauen Definition

  • Wo werden die Schüler/-innen, die eine Deutschförderklasse besuchen, gezählt? In der Regelklasse oder wird diese Deutschförderklasse als eigenständige Klasse geführt? Diese Frage stellt sich in besonderer Weise im städtischen Bereich (viele Regelklassen könnten nicht mehr geführt werden)!
  • Wird eine Deutschförderklasse eigenständig geführt, welche dienst- und gehaltsrechtlichen Aspekte kommen zum Tragen (LVG § 8 Abs. 3 Zi. 1; LVG § 22 Abs. 1 Zi. 1; LDG § 43 Abs. 3 Zi. 2; GG § 61c)?
  • Nach welchen Gesichtspunkten (Grundsatzbestimmungen Bund / ausführungsgesetzliche Ergänzungen durch die Länder) werden die benötigten Ressourcen zugeteilt?

§ 8h Abs. 4

Wie sehen diese Diagnoseinstrumente aus und bis wann sollen diese vom BMBWF zur Verfügung gestellt werden?

Die Dokumentation der Förderung und der Zielerreichung im Sinne eines Sprachportfolios darf zu keinem administrativen Mehraufwand für die Kolleginnen und Kollegen führen!

Schulunterrichtsgesetz

Wie sieht dieses Testformat (einschließlich der standardisierten Auswertung) aus und bis wann soll dieses vom BMBWF zur Verfügung gestellt werden?
Wie kann man sich eine solche Leistungsbeurteilung vorstellen?
Soll ein besonders positives Testergebnis im Bereich der Unterrichtssprache „Deutsch“ zeigen, welche Leistung dieser Schüler/diese Schülerin, der/die im Sommersemester als ordentlicher Schüler/ordentliche Schülerin in seiner/ihrer regulären Klasse sitzt, z.B. im Unterrichtsfach Mathematik aufweist?

§ 25 Abs. 5c

Ein Schüler/eine Schülerin wird in eine Schulstufe aufgenommen und besucht aufgrund mangelnder Kenntnisse der Unterrichtssprache Deutsch vier Semester eine Deutschförderklasse. In welche Schulstufe (Regelklasse) wird dieser Schüler/ diese Schülerin nach diesen vier Semestern eingestuft?
In die Schulstufe, welcher er/sie vor diesen vier Semestern der Deutschförderklasse eingestuft wurde oder in die Schulstufe, in welcher er laut seines Lebensalters eingestuft werden müsste?
Eine genaue Klärung ist unbedingt erforderlich!

Schulpflichtgesetz

§ 18. Der zweite Satz dieses § 18 bedarf einer genaueren Definition! Wie und in welchem Ausmaß aber die im Budget vorgesehenen Ressourcen an die jeweiligen Standorte verteilt werden, ist aus dem vorliegenden Entwurf nicht ersichtlich.

Das Inkrafttreten des vorliegenden Gesetzesentwurfes kann aus unserer Sicht nach Klärung aller angesprochenen Probleme frühestens mit 2019/20 erfolgen!