GÖD-Forum mit Dr. Winterhoff

06.10.2011 bis 07.10.2011

Die Gewerkschaft der Pflichtschullehrerinnen und Pflichtschullehrer hat in Kooperation mit der GÖD anlässlich des Welttages der Lehrerinnen und Lehrer am 6. und 7. Oktober 2011 zwei pädagogische Tage mit dem international bekannten deutschen Kinderpsychiater und Bestsellerautor Dr. Michael Winterhoff abgehalten. Höhepunkt war eine Abendveranstaltung im Wiener Hotel Marriott unter dem Motto - angelehnt an einen Buchtitel Winterhoffs - „Tyrannen müssen nicht sein“.

Dr. Michael Winterhoff zeigte in seinem im Rahmen dieser Abendveranstaltung gehaltenem Vortrag psychische Fehlentwicklungen im Klein- und Schulkindbereich auf und nennt einen Hauptgrund dafür, dass Kinder aus dem Ruder laufen: Der emotionale Missbrauch unserer Kinder unter dem Deckmantel eines partnerschaftlichen Umgangs wird zur Anfrage an die kulturelle Lebensfähigkeit unserer Gesellschaft – Zündstoff für  eine grundlegende gesellschaftliche Debatte. Wenn die Ideologie von „Kindern als Partnern“ nicht beendet wird, werden Kinder und Erwachsene krank und sich gegenseitig hassen.

Michael Winterhoff stellte in seiner überraschenden wie erschreckenden Analyse diesen emotionalen Missbrauch unserer Kinder dar und belegte ihn mit vielen anschaulichen Beispielen. Kinder sind keine kleinen Erwachsenen: Nur wenn unsere Kinder wieder wie Kinder behandelt werden, können sie in einem positiven Sinne lebensfähig werden.

In der anschließenden Podiumsdiskussion stellte der Vorsitzende der Gewerkschaft der Pflichtschullehrerinnen und Pflichtschullehrer,  Paul Kimberger, fest, dass Österreichs Pflichtschullehrerschaft bei der Mitgestaltung der Zukunft unserer Kinder und Jugendlichen immer mehr Verantwortung übernehme. Dazu brauche sie pädagogisch und organisatorisch die besten Rahmenbedingungen und die richtigen Werkzeuge. LehrerInnen erscheine es nämlich zunehmend notwendig, den ihnen anvertrauten Kindern Grenzen zu setzen. Erziehen heiße eingreifen und dazu sind Grenzen notwendig. Konsequenterweise müssen Pädagog/innen dann effektive Möglichkeiten haben, „Stopp“ zu sagen, wenn diese Grenzen überschritten werden.

Etwa 5% der Schülerinnen und Schüler und oft auch deren Eltern seien laut Kimberger Problemfälle, die den anderen 95% immer größere Schwierigkeiten bereiten. Dabei seien nicht die sogenannten „kleinen Lauser“ gemeint. Es gebe da zunehmend „größere Kaliber“, die Aggression und Gewalt in unseren Schulen verbreiten. Mit Verhaltensvereinbarungen, die meist nur von einer Seite eingehalten werden, komme man hier nicht weiter. Fehlverhalten von Kindern müssen Konsequenzen nach sich ziehen. Diese dienen nicht nur ihrem eigenen Schutz, sondern auch den vielen Kindern und Jugendlichen, die unter den Disziplinlosigkeiten einiger weniger schwer zu leiden haben! 

Kimberger fordert daher klare gesetzliche Spielregeln über die gesamte pädagogische Bandbreite, mehr Individualisierung, Konzentration auf das Wesentliche und den massiven Ausbau von Unterstützungssystemen in unseren Schulen.